Erster Monat

Nun sind wir schon einen Monat in Südafrika. Zum einen fühlt es sich an, als wären wir gerade erst aus dem Flugzeug gestiegen, zum anderen, als ob wir schon Ewigkeiten hier lebten. 

Im Laufe der Wochen haben wir uns an die Straßen im kleinen Grahamstown, die Menschen um uns herum und die Arbeit gewöhnt. Trotzdem gibt es jeden Tag neue Überraschungen und ein alltägliches Leben hat sich definitiv noch nicht eingestellt.

Für Erleichterung sorgte der Umzug in das Haus, in dem wir (hoffentlich) das ganze Jahr über leben werden. Zwar sorgte das enge Zusammenleben in der alten Wohnung dafür, dass wir uns nicht nur durch die Arbeit, sondern auch durch das direkte miteinander leben schnell kennenlernten und somit jetzt gut verstehen; trotzdem freuen wir uns darüber, dass in der neuen Wohnung nicht mehr jede Aktivität des anderen verfolgt werden kann.
Das Haus bietet uns sehr viel Platz, da jeder von uns ein eigenes Zimmer und sogar ein kleines Bad zur Verfügung hat und es eine geräumige Küche, sowie Ess- beziehungsweise Wohnzimmer enthält. Nach ausführlichem Putzen haben wir uns gemütlich eingerichtet und genießen nun die gemütliche Atmosphäre.
Zur Einweihung haben wir unseren Mentor und einen Teil seiner Familie zum Lunch eingeladen. Um ihnen die deutsche Küche zu zeigen, servierten wir verschieden Salate und Würstchen – der lokale Supermarkt bietet sogar Frankfurter Würstchen an.

Die Arbeit macht von Tag zu Tag mehr Spaß, da man die Schüler besser kennenlernt, aber auch seinen Platz, als Lehrer beziehungsweise Erzieher findet.
In der Matric-Finishing-School fällt es uns ab und an noch schwer, den Schülern auf Englisch weiterzuhelfen, zumal sie oft anders bei den Lösungswegen vorgehen, als wir es gewohnt sind. Andererseits freut es uns, wenn wir sehen, dass wir weiterhelfen können und die Schüler Fortschritte machen.
Zusätzlich stellt sich jedoch die fehlende Motivation weiterhin als Problem dar. Sobald es etwas regnet, erscheint so gut wie niemand mehr zum Unterricht. Zumal mangelt es den Schülern an Selbstvertrauen, sodass sie nicht an sich selbst und ein erfolgreiches Leben glauben.
In dem Kindergarten direkt neben unserer Wohnung haben wir uns sehr gut eingelebt. Die Kinder fragen uns schon beim Vorbeilaufen, ob wir nicht vorbeikommen wollen. Es macht sehr viel Spaß, mit den Kindern ausgelassen zu spielen und sie herumzutragen. Das kann auch schnell man anstrengend werden, wenn man ein Kind auf dem Arm hat, ein anderes möchte gefangen werden und ein weiteres an den Beinen hängt (wobei es nicht immer nur ein Kind ist). Vor allem das Spiel „Touch me“ kommt hier sehr gut an und führte uns schon mehrfach zum Schwitzen. Auch die Nägel (beziehungsweise die Finger) haben wir schon mit sehr viel Hingabe lackiert bekommen.
Wir haben schon zwei Ausflüge mit den Kindern gemacht.
Der erste führte auf eine Wiese am Ende der Straße, auf der wir picknickten und Ball spielten. Da die Kinder nie gelernt haben, in Zweierreihe hintereinander zu laufen, waren wir den ganzen Weg lang damit beschäftigt, die Kinder davor zu bewahren, auf die Straße zu laufen und damit, ihnen das Prinzip der Zweierreihe beizubringen.
Der zweite Ausflug führte und zum Zahnarzt. Auf dem Hinweg wurden wir von unserem Mentor gefahren, wobei elf Personen in einem Fünfsitzer Platz fanden.
Eine Zahnärztin erklärte den Kindern, wie sie die Zähne putzten sollen und was außerdem wichtig für gesunde Zähne ist. Danach durfte beziehungsweise sollte sich jedes Kind auf den Zahnarztstuhl setzten. Es war erstaunlich, wie mutig sich einige sofort auf den Stuhl setzten und den Mund öffneten und anderen auf unsere Arme kletterten, da sie verängstigt waren. Es stellte sich heraus, – vermutlich durch den Konsum von etlichen Süßwaren und Chips verursacht – dass einige Kinder schlechte Zähne haben.
Der Heimweg verlief deutlich entspannter, als beim ersten Ausflug, da die Kinder disziplinierter liefen (wobei es trotzdem noch chaotisch war).

Außerhalb der Arbeit haben wir ganz in der Nähe von unserem Haus eine Bücherei entdeckt, die zwar nicht groß ist, trotzdem aber nette Bücher, wie beispielsweise Miss Marple, und wissenschaftliche Bücher besitzt. Die Bücherei ist kostenlos, man muss lediglich eine Kopie der ID hinterlegen.
Des weiteren sind wir mit unserem Mentor und seiner Frau nach PE (Port Elisabeth) gefahren, um eine Traffic ID zu beantragen. Auf dem Weg sahen wir die schöne (nebelige) Landschaft um Grahamstown herum und machten bei einem Laden Halt, der sehr leckere Brötchen und anderes Essen verkauft.
In PE bekamen wir mal wieder zu spüren, dass hier Beziehungen sehr wichtig sind, um das zu erreichen oder zu erhalten, was man möchte. Unser Mentor kannte auf allen drei Polizeistationen, bei denen wir waren, so gut wie die Hälfte aller Leute. Dazu gehört es sich, mit jedem lange und freundliche Gespräche zu führen. Die Menschen waren sehr offen und an unseren Aktivitäten hier in Südafrika interessiert, trotzdem erstaunt es uns jedes Mal aufs Neue, wie lange unser Mentor Gespräche ausdehnen kann. Am Ende hat uns das Persönliche jedoch deutlich besser gefallen, als die gezwungene Ernsthaftigkeit im bürokratischen Deutschland.

Viel Spaß hatten wir, als wir ohne zu ahnen das erste Mal Auto fahren mussten. Ein Schüler aus der Matric School und die Frau unseres Mentors schienen als Beifahrer etwas an unseren Fahrfähigkeiten zu zweifeln. Wir hingegen kamen aus dem Lachen nicht mehr heraus, als beim Versuch den Blinker zu betätigen der Scheibenwischer anfing bei strahlendem Sonnenschein die Scheiben zu wischen.

Jeden Tag finden wir uns besser zurecht in unserem neuen Leben und genießen die Erlebnisse, die sowohl lustig, interessant, aber auch manchmal verzweifelnd sind.
Wir freuen uns auf weitere elf Monate mit spannenden Erlebnissen im schönen Südafrika.

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