Eine weitere Begegnung

Die zweite Begegnung, von der ich berichten möchte, ist mit einer Philosophie Studentin, die in Johannesburg aufgewachsen ist. 

Ihr Name ist Matshepo und sie befindet sich gerade im sechsten Semester ihres Studiums. Trotz der Anspannung der nähernden Prüfungen nimmt sie sich die Zeit in ihrer gemütlichen Wohnung bei einer Tasse Tee über ihr Leben und ihre Geschichte zu reden. An der Wand des Wohnzimmers befinden sich motivierende Sprüche für das Leben und den verrückten Alttag. Durch das Fenster sieht man hinter dem Balkon die rötliche Stimmung der Dämmerung. Ich bin besonders gerne bei ihr zuhause, da auch alle Mitbewohner so unendlich herzlich und offen mir gegenüber sind.

Über ihr Leben zu sprechen, fällt Matshepo anfangs schwer. Sie weiß nicht, wo sie beginnen soll und besonders die Frage, wie es ihr gerade geht, bringt sie zum Nachdenken.
Leicht fällt es ihr, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Sie ist in einem Stadtteil von Johannesburg aufgewachsen. Ihre ganze Kindheit war von Frauen dominiert. Wie viele Kinder in Südafrika, ist sie im Haus ihrer Großmutter mit ihren Tanten aufgewachsen. Dadurch war sie immer die Jüngste und somit der „Schatz“ der Familie. Sie erlebte zum einen, mit Erwachsenen umzugehen und auch erwachsen zu handeln, andererseits war sie trotzdem immer das Baby der Familie. Des weiteren wurde sie von ihrer alleinerziehenden Mutter großgezogen. Ich habe schon einige Menschen kennengelernt, die nur von ihren Müttern großgezogen wurden. Viele kennen nicht einmal ihr Väter.

Die öffentliche Schule, die Matshepo in ihrer Kindheit besuchte, mochte sie überhaupt nicht. Der Gruppenzwang habe Unsicherheiten verstärkt und nicht den eigentlichen Charakter und die Stärken der einzelnen Individuen gefördert. Dies spiegelte sich auch in ihren Noten wieder und erst in der Universität begann sie, gute Noten zu erhalten. Südafrika kämpfe nicht nur mit den akademischen Problemen der Bildung, sondern müsse auch lernen, mit Menschen umgehen zu können.

Diese Lebensumstände haben sie zu einer introvertierten Frau heranwachsen lassen, die es sehr genießt nachzudenken. Jedoch genießt sie mittlerweile die Gegenwart von Menschen. Auch ich habe sie zwar als sehr nachdenklichen, aber doch gesellschaftlichen Menschen kennengelernt.

Matshepo ist sehr begabt im Schreiben. Sie selbst nennt es „gift of words“. Ihr Ziel ist es, in Philosophie zu promovieren. Was danach kommt, weiß sie noch nicht genau. Auf der einen Seite möchte sie nicht als Philosophin angesehen werden, obwohl sie dies studiert haben wird. Eher möchte sie Plätze schaffen, wo Menschen sich wohlfühlen. Wie genau das als Beruf aussehen soll, weiß sie noch nicht.

Des Weiteren beschreibt sich Matshepo als Perfektionistin. Zwar helfe es, in einigen Situationen des Lebens besser klar zu kommen, jedoch möchte sie lernen, Dinge okay sein zu lassen. Ihr sei es wichtiger, ein offenes Herz für Menschen zu haben. Besonders Menschen, die niemanden haben, sind ihr wichtig. Sie wisse, wie es sich anfühle, nur „die Party zu beobachten“, aber nicht selbst ein Teil davon zu sein.

Für mich verkörpert sie das wundervolle Motte von Südafrika „Ubuntu“ – ich bin, weil wir sind. Die Menschen, die mich umgeben, sind Teil meiner Identität. Es geht sogar soweit, dass man ohne die Interaktion mit Anderen nicht leben kann und man sich sogar zu dieser zwingen müsse. Natürlich kann man nicht alle lieben, aber das Bewusstsein, dass man nicht alleine auf dieser Welt ist, gefällt mir sehr gut.

In den Tutorien, die Matshepo an der Universität gibt, hat sie sich zur Aufgabe gesetzt genau diese Lebenseinstellung anzuwenden. Das Tutorium solle das Gefühl einer Tea Party geben und sich nicht nur um Noten drehen.

Dadurch, dass ich sie als eine sehr inspirierende Persönlichkeit kennengelernt habe, interessierte es mich sehr, wovon sie sich inspirieren lässt.
Zum einen ließt Matshepo sehr gerne. Besonders genießt sie die Bücher von Donald Miller, Roald Dahl und C.S. Louis. Auch Musik sei eine wichtige Inspirationsquelle. Alter amerikanischer Jazz, wie Louis Armstrong, aber auch andere Musikgenres regen sie zum Denken an.
„Hearts are captured by beauty“ (Herzen sind von Schönheit gefangen). Man brauche immer etwas Schönes, um leben zu können und daher käme auch die Inspiration. Auch müssten Erwachsene von Kindern lernen, da diese die Fähigkeit hätten, Schönheit unvoreingenommen wahrnehmen zu können.

Matshepo träumt davon, einen Platz in der Welt einnehmen zu können. Ob es nun um Kreativität oder andere Ziele im Leben geht, es dauere immer seine Zeit. Es sei ein Prozess, den man selbst in die Hand nehmen müsse. Man dürfe nicht darauf warten, an der Hand genommen zu werden.

Bei mir hat sie ihr Ziel, schöne Orte für Menschen zu schaffen schon erreicht. Besonders durch ihre Art, das Leben zu sehen und die Art, wie sie Menschen behandelt.

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