Glaube

Grahamstown ist die Stadt der Kirchen. Hier gibt es mehr als über fünfzig religiöse Gebäude, weshalb Grahamstown auch „City of Saints“, also Stadt der Heiligen, genannt wird.

Schon als wir anfänglich durch die Straßen gelaufen sind, sind uns die vielen Kirchen aufgefallen. Einige christliche Religionen sind hier mehrfach vertreten und besitzen nicht nur eine Kirche in der Stadt.

So auch die Methodistische Kirche, die unser „Arbeitgeber“ ist. Jedes unserer drei Projekte wurde von der Methodistischen Kirche ins Leben gerufen und wird von ihr unterstützt. Unser Mentor Aldy gehört der methodistischen Kirche an und predigt dort mehrmals monatlich. Gebete gehören hier sowohl bei den Kleinen im Kindergarten, als auch bei den Großen in der Matric-Finishing-School zum Alltag. Die Kinder singen ein Gebet vor dem Essen und ab und an das Vaterunser. Die Schule der Erwachsenen in der Finishing School beginnt mit einem Impuls, den auch wir schon vorbereiten mussten, und einem Gebet für den Tag. Die Impulse bestehen aus Geschichten und Erfahrungen, bei denen meistens mit dem Glauben und einer zuversichtlichen Hoffnung Erfolg erreicht wird.

Nicht nur unsere Arbeit, sondern auch unsere Freizeit ist von der Vielfalt der Kirchen geprägt. So waren wir schon in vier verschiedenen Kirchen zu Besuch.
Den Sonntagsgottesdienst verbrachten wir zuerst in der Anglikanischen Kirche, dessen Gottesdienst dem gewohnten Gottesdienst in Deutschland ähnelt. Dadurch konnten wir diesem sehr gut folgen.
Ein weiteres Mal besuchten wir diese Anglikanische Kirche an einem Sonntagabend. In dieser Andacht sind besonders Studenten der Rhodes Universität und andere junge Menschen dazu eingeladen, sich mit diversen Themen auseinanderzusetzen. Im Monat August wurden Themen bezüglich des Frauenmonats behandelt. In der Andacht, die wir besuchten, ging es darum, ob Paulus ein Sexist gewesen sei. Die Priesterin behandelte dieses doch sehr kritische Thema ausführlich und für jeden verständlich. Auch wurden die Besucher das ein oder andere Mal mit einbezogen, um Alle zum mitdenken aufzufordern.

An einen weiteren Sonntagsgottesdienst besuchten wir die katholische Kirche, die sich direkt in unserer Straße befindet. Diese wollten wir schon die Woche zuvor besuchen, jedoch stimmen die Uhrzeiten, die uns die Einheimischen nannten, nicht mit denen der Gottesdienstzeiten überein. Auch an diesem Sonntag kamen wir, trotz nun angeblich korrekter Zeitangabe, eine halbe Stunde zu spät. Wir werden uns das nächste Mal bemühen, pünktlich zu sein.
Der Gottesdienst war sehr gut besucht und wir fielen nicht nur wegen unserer Unpünktlichkeit auf, sonder auch, da wir mit die einzigen Weißen waren. Uns gefiel vor allem der Gesang, welcher ohne Orgelbegleitung gesungen wurde. Er war enthusiastisch und mehrstimmig und bestand aus vielen Marienliedern.
Auffällig war, dass viele Familien dort waren, junge Paare mit ihren kleinen Kindern. Nicht nur die Kinder, sondern auch viele Erwachsenen gingen nicht nach vorne, um die Kommunion zu empfangen, was uns sehr verwundert hat.
Man blieb auch nicht nach der Kirche beisammen, um sich zu unterhalten oder Tee zu trinken, sowie wir in den anderen Kirchen eingeladen wurden.

Ganz anderes war die Gemeinschaft in der Methodistischen Kirche, die wir an einem Sonntag besuchten, an dem unser Mentor zum Predigen eingeteilt war. Die wenigen Gemeindemitglieder, die den Gottesdienst besuchten, waren alte Damen. Diese waren sehr herzlich und begrüßten uns überschwänglich. Wir fühlten uns sofort geborgen und verloren uns in langen Gesprächen. Eine Dame bestand darauf uns nach dem Gottesdienst eine Packung Kuchen zu kaufen, der zur Finanzierung von Erneuerungen der Kirche verkauft wurden.

Ein weiteres mal nahmen wir an einer „Hochzeitserneuerung“ teil, die in einer alten Methodistischen Kirche stattfand. Die Menschen dort waren auch sehr freundlich und hießen uns herzlich willkommen. Im Gottesdienst herrschte eine sehr persönliche Stimmung, die uns sofort ergriffen hat. Unser Mentor führte die Zeremonie durch und leitete die „Hochzeitserneuerung“.

Generell wird man häufig dazu eingeladen, Gottesdienste zu besuchen und die Gemeinde ist immer offen, Fremde als Gemeindemitglieder aufzunehmen.
Der Glaube ist allgegenwärtig und wird gerne offen gezeigt uns ausgelebt. Gott wird als Leiter und Verantwortlicher von verschiedensten Situationen und Ereignissen gesehen. Unser Mentor sah beispielsweise als Zeichen Gottes an, dass ein geplanter Ausflug durch ein Meeting nicht zustande kam.
Trotzdem gefällt uns das Leben mit dem Glauben und der regelmäßige Kirchenbesuch hier in Grahamstown sehr gut.
Uns hat vor allem inspiriert, dass es üblich ist, sich nach dem Gottesdienst noch lange zusammen zu stellen und bei einer Tasse Tee oder Kaffee zu unterhalten

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