Access Music Project – benachteiligten Schuelern die Chance geben, Zugang zur Musik zu erhalten

Seit nun gut einem Monat habe ich begonnen am Nachmittag in einem neuen Projekt zu arbeiten, das ich in meinem vorhergehenden Blogeintrag schon grob erwaehnte. Nun wird es Zeit, da ich mich ziemlich gut in dem Projekt eingelebt habe, es etwas genauer zu beschreiben. Ich hoffe damit wenigstens zum Teil meine Begeisterung fuer dieses teilen zu koennen und auf das Interesse des ein oder anderen zu stossen.

Access Music Project (im folgenden mit AMP abgekuerzt) ist, wie der Name schon besagt, ein Projekt, bei dem Schueler die Chance erhalten, einen Zugang zur Musik zu bekommem. Das Projekt nutzt die Raeumlichkeiten des sogenannten “Joza Youth Hub”, in dem auch andere NGOs (non-governmental organisations – nicht staatliche Organisationen) ihren Sitz haben. Man gelangt in das Township “Joza” auf einer kurvigen Strasse richtung Nord-Osten aus dem Stadtkern Grahamstowns heraus.

Es werden aber auch Raeumlichkeiten der umliegenden Schulen genutzt.

2011 wurde AMP von Shiloh Marsh und Gareth Walwyn gegruendet. Beide haben ihr Lehrdiplom und Gareth war zur Zeit vor der Gruendung von AMP Lehrer an einer wohlhabenden Privatschule in Grahamstown. Dort erlebte er die musikalische Erziehung von den wenigen privilegierten, reichen Menschen. Dadurch wurde ihm noch deutlicher bewusst, wie wichtig und noetig es ist, die Schueler der benachteiligten Schulen im Township an die Musik heranzufuehren. Durch die Apartheid, die schon vor ueber 20 Jahren endete und trotzdem heute noch das alltaegliche Leben praegt, wurde der dunkelhaeutigen Bevoelkerung Suedafrikas keine, beziehungsweise sehr schlechte Bildung ermoeglicht. Ganz zu schweigen von kuenstlerischer und kreativer Bildung, wie Musik. Leider ist dies zum groessten Teil immer noch der Fall.

Dadurch, dass Gareth in verschiedensten Bereichen mit Musikern zusammengearbeitet hat, traf er haeufig talentierte Musiker, die es sehr schwer haben, da ihnen die grundlegende Bildung von Musik fehlt. Dies erlebte er vor allem an der Universitaet, wo er Vorlesungen hielt, aber auch bei der allgemeinen Arbeit mit Musiker.

Gareths Zugang zur Musik began schon sehr frueh. Als er im noerdlich gelegenen Johannesburg aufwuchs, besuchte er eine Privatschule, die Musikunterricht anbot. Auch setzte er diesen fort, als er nach Grahamstown zog und absolvierte ein sogenanntes “music scholarship”.

Shiloh began ebenfalls sehr frueh, Musikunterricht zu nehmen. In der Grundschule war es noch zusaetzlicher Unterricht, der auch zusaetzlich bezahlt werden musste. Auf der weiterfuehrenden Schule hingegen war Musik ein offiezielles Fach, das auch im Abitur belegt werden konnte. Jedoch muss man dazu sagen, dass es sich dabei um eine ausschliesslich weisse Staatliche Schule handelte, die mehr Ressourcen zur Verfuegung hatte.

Aus dem Hintergrund heraus und der Intension, dieser ungerechten Verteilung der Ausbildung entgegen zu wirken, ist AMP entstanden.

Als ich mit Shiloh ueber die Visionen von AMP sprach, stand ganz oben, den Schuelern eine Zukunft zu schaffen. Das Ziel ist es, alle historisch benachteiligten Schueler zu lehren.

“Wenigstens in Grahamstown”, fuegte Shiloh mit einem Lachen hinzu.

Leider ist es schwer, eine Musikschule einfach aus dem Nichts heraus fuer etliche Schueler zu gruenden. Shiloh und Gareth sind dem Rat gefolgt, einfach zu beginnen und meiner Meinung nach, war dies die richtige Entscheidung, denn AMP ermoeglicht schon einigen Schuelern eine gute und solide Ausbildung. Trotzdem merkt man, dass das Projekt Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Vor allem stellt die staendige Sorge um die Finazierung des Projektes und auch der Mitarbeitermangel ein Problem dar.

Obwohl diese Sorgen immer im Hinterkopf praesent sind, kann man eine gewisse Hoffnung und Zuversicht spueren. AMP verfuegt schon ueber etliche Musikinstrumente und ist dabei, die Auswahl zu vergroessern. Ausserdem sollen die Schueler beginnen “richtige” Examen zu schreiben, um eine bessere Chance in der Musikbranche nach der Schule zu erhalten.

Das Ziel ist es, sich einen Namen zu machen, sodas die Maengel, die Shiloh und Gareth in ihrer eigenen Musikerziehung erfahren haben, bei AMP nicht auftreten.

So wird beispielsweise an den Privatschulen hauptsaechlich klassische Musik gelehrt. Die Erziehung ist sehr europaeisch orientiert und laesst keinen Freiraum fuer afrikanische Musik. Dabei ist diese sehr vielfaeltig und anspruchsvoll. Des Weiteren wird oft nur Einzelunterricht angeboten und nicht die Moeglichkeit gegeben, in einen Orchester oder einer Band zu spielen. Die Instrumentenauswahl ist ebenfalls sehr beschraenkt und besteht lediglich aus Blockfloete und Klavier. So moechte AMP den Schuelern die Moeglichkeit geben, die Vielfalt der Musik kennenzulernen und kreativ zu sein. Ich habe selbst schon haeufig mitbekommen, dass die Schueler, sowohl im Orchester, als auch im Einzelunterricht nach Musikwuenschen gefragt wurden.

Dass die Privatschulen so europaeisch orientiert sind, ist eine Folge der Kolonialzeit. Suedafrika war zuerst eine Kolonie der Niederlaender und dann der Briten. Durch die Kolonialisierung wurde der afrikanischen, dunkelhaeutigen Bevoelkerung beigebracht, dass sie unentwickelt seien und ihre Kultur weniger wert sei. Noch heute denkt ein Teil der dunkelhaeutigen Bevoelkerung Suedafrikas, dass die europaeische Kultur besser sei, als die afrikanische.

Bersonders die Uebernahme der Bildung durch die europaeischen Kolonialmaechte sorgte dafuer. Dadurch, dass immer noch leitende Institutionen europaeisch gepraegt sind, orientieren sich vor allem junge Menschen an diesen Standardts.

Leider wird dadurch der Wert afrikanischer Kultur vollkommen uebersehen. Die Vielfalt von Sprache (11 offizielle Amtssprachen allein in Suedafrika), Kleidung, Essen, Sozialisierung, wie Werte, Kommunikation und Welt-Sicht gehen dadurch verloren. Und natuerlich auch die Kuenste, wie die Musik, aber auch Tanz und Theater.

AMP moechte den Schuelern nicht nur Spass bereiten, sondern einen richtigen Zugang zur Musik gewaehren. Die Schueler sollen eine Zukunft in der Musik haben und dies als ihren Beruf ausueben koennen.

Ein Schritt, meiner Meinung nach, in die richtige Richtung war das seit einigen Jahren jaehrlich stattfindende Konzer “Masicule” (das C wird mit einem Klicklaut versehen). Dort traten in einem grossen Konzertsaal die Choere fast aller Schulen von Grahamstown auf. Es war wundervoll, all die Schueler gemeinsam musizieren zu sehen, egal, ob sie aus den aermsten Verhaeltnissen im Township stammen oder aus einer der reichsten Familien einer Privatschule.

Auch die Liederauswahl enthielt von allem etwas, so wurde eine afrikanische Version des ersten Teils der Nationalhymne “Nkosi sikelel iAfrika” gesungen. Es wurde aber auch das “Halleluja” von Haendel aufgefuert, das von einem Orchester begleitet wurde, in welchem ich mitspielte.

So sah ich nicht nur die Show, sondern erhielt auch einen Enblick hinter die Kulissen.

Insgesamt ist AMP ein Projekt, das eine wundervolle und inspirierende Geschichte hat und hoffentlich eine erfolgreiche Zukunft, in der die Apartheidsgeschichte Suedafrikas endgueltig Geschichte sein kann und talentierte Menschen die Chance haben, erfolgreich zu sein.

Ich erlebe hier taeglich die Vielfalt der Musik und den Zusammenhalt, den diese schaffen kann.

Werbung

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: