Eine weitere Begegnung

Die zweite Begegnung, von der ich berichten möchte, ist mit einer Philosophie Studentin, die in Johannesburg aufgewachsen ist. 

Ihr Name ist Matshepo und sie befindet sich gerade im sechsten Semester ihres Studiums. Trotz der Anspannung der nähernden Prüfungen nimmt sie sich die Zeit in ihrer gemütlichen Wohnung bei einer Tasse Tee über ihr Leben und ihre Geschichte zu reden. An der Wand des Wohnzimmers befinden sich motivierende Sprüche für das Leben und den verrückten Alttag. Durch das Fenster sieht man hinter dem Balkon die rötliche Stimmung der Dämmerung. Ich bin besonders gerne bei ihr zuhause, da auch alle Mitbewohner so unendlich herzlich und offen mir gegenüber sind.

Über ihr Leben zu sprechen, fällt Matshepo anfangs schwer. Sie weiß nicht, wo sie beginnen soll und besonders die Frage, wie es ihr gerade geht, bringt sie zum Nachdenken.
Leicht fällt es ihr, über ihre Vergangenheit zu sprechen. Sie ist in einem Stadtteil von Johannesburg aufgewachsen. Ihre ganze Kindheit war von Frauen dominiert. Wie viele Kinder in Südafrika, ist sie im Haus ihrer Großmutter mit ihren Tanten aufgewachsen. Dadurch war sie immer die Jüngste und somit der „Schatz“ der Familie. Sie erlebte zum einen, mit Erwachsenen umzugehen und auch erwachsen zu handeln, andererseits war sie trotzdem immer das Baby der Familie. Des weiteren wurde sie von ihrer alleinerziehenden Mutter großgezogen. Ich habe schon einige Menschen kennengelernt, die nur von ihren Müttern großgezogen wurden. Viele kennen nicht einmal ihr Väter.

Die öffentliche Schule, die Matshepo in ihrer Kindheit besuchte, mochte sie überhaupt nicht. Der Gruppenzwang habe Unsicherheiten verstärkt und nicht den eigentlichen Charakter und die Stärken der einzelnen Individuen gefördert. Dies spiegelte sich auch in ihren Noten wieder und erst in der Universität begann sie, gute Noten zu erhalten. Südafrika kämpfe nicht nur mit den akademischen Problemen der Bildung, sondern müsse auch lernen, mit Menschen umgehen zu können.

Diese Lebensumstände haben sie zu einer introvertierten Frau heranwachsen lassen, die es sehr genießt nachzudenken. Jedoch genießt sie mittlerweile die Gegenwart von Menschen. Auch ich habe sie zwar als sehr nachdenklichen, aber doch gesellschaftlichen Menschen kennengelernt.

Matshepo ist sehr begabt im Schreiben. Sie selbst nennt es „gift of words“. Ihr Ziel ist es, in Philosophie zu promovieren. Was danach kommt, weiß sie noch nicht genau. Auf der einen Seite möchte sie nicht als Philosophin angesehen werden, obwohl sie dies studiert haben wird. Eher möchte sie Plätze schaffen, wo Menschen sich wohlfühlen. Wie genau das als Beruf aussehen soll, weiß sie noch nicht.

Des Weiteren beschreibt sich Matshepo als Perfektionistin. Zwar helfe es, in einigen Situationen des Lebens besser klar zu kommen, jedoch möchte sie lernen, Dinge okay sein zu lassen. Ihr sei es wichtiger, ein offenes Herz für Menschen zu haben. Besonders Menschen, die niemanden haben, sind ihr wichtig. Sie wisse, wie es sich anfühle, nur „die Party zu beobachten“, aber nicht selbst ein Teil davon zu sein.

Für mich verkörpert sie das wundervolle Motte von Südafrika „Ubuntu“ – ich bin, weil wir sind. Die Menschen, die mich umgeben, sind Teil meiner Identität. Es geht sogar soweit, dass man ohne die Interaktion mit Anderen nicht leben kann und man sich sogar zu dieser zwingen müsse. Natürlich kann man nicht alle lieben, aber das Bewusstsein, dass man nicht alleine auf dieser Welt ist, gefällt mir sehr gut.

In den Tutorien, die Matshepo an der Universität gibt, hat sie sich zur Aufgabe gesetzt genau diese Lebenseinstellung anzuwenden. Das Tutorium solle das Gefühl einer Tea Party geben und sich nicht nur um Noten drehen.

Dadurch, dass ich sie als eine sehr inspirierende Persönlichkeit kennengelernt habe, interessierte es mich sehr, wovon sie sich inspirieren lässt.
Zum einen ließt Matshepo sehr gerne. Besonders genießt sie die Bücher von Donald Miller, Roald Dahl und C.S. Louis. Auch Musik sei eine wichtige Inspirationsquelle. Alter amerikanischer Jazz, wie Louis Armstrong, aber auch andere Musikgenres regen sie zum Denken an.
„Hearts are captured by beauty“ (Herzen sind von Schönheit gefangen). Man brauche immer etwas Schönes, um leben zu können und daher käme auch die Inspiration. Auch müssten Erwachsene von Kindern lernen, da diese die Fähigkeit hätten, Schönheit unvoreingenommen wahrnehmen zu können.

Matshepo träumt davon, einen Platz in der Welt einnehmen zu können. Ob es nun um Kreativität oder andere Ziele im Leben geht, es dauere immer seine Zeit. Es sei ein Prozess, den man selbst in die Hand nehmen müsse. Man dürfe nicht darauf warten, an der Hand genommen zu werden.

Bei mir hat sie ihr Ziel, schöne Orte für Menschen zu schaffen schon erreicht. Besonders durch ihre Art, das Leben zu sehen und die Art, wie sie Menschen behandelt.

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Bilder der letzten Monate

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Kindergarten Kinder von der Stepping Stones Preschool
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Besonders schön, an den traumhaften Stränden surfen zu gehen
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meine eigene Marimba Band an der Nombulelo High School
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Den Abgrund vom Wasserfall in Hogsback hinabschauen
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Die drei Hogsback Berge im Hintergrund
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Elefanten verfolgen im Addo Elephant Park
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Sogar ein Löwe sonnt sich am späten Nachmittag und lässt sich nicht aus der Ruhe bringen
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Der kleine Elefant sucht Spielkameraden zum Herumtollen
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Schüler bei den ersten Versuchen vom Querflötespielen
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Beim Besuch meiner Familie haben wir Kapstadt und das Kap der guten Hoffnung erkundet

 

Spontan Marimba spielen mit einer Band an Victoria Waterfont in KapstadtDSC_0323

Begegnungen

Im Laufe meines Freiwilligendienstes wurde mir immer deutlicher, dass es die Begegnungen und Bekanntschaften mit den Menschen sind, die meinen Aufenthalt hier so wertvoll machen.

Ich habe die unterschiedlichsten Menschen kennengelernt und jeder bringt eine andere, interessante Geschichte mit sich. Die Vielfalt im Regenbogenland Südafrika ist immens und überwältigt mich immer wieder aufs Neue. Geprägt von der langen und immer noch präsenten Geschichte des Landes, sind viele Menschen auf der Suche nach ihrer Identität. Unschlüssigkeit der Unterschied an Persönlichkeiten und Charakteren führen häufig zu der Problematik, einen Platz in der Gesellschaft zu finden.

Um wenigstens einen Teil dieser Erfahrungen zu teilen, möchte ich beginnen, über genau diese Menschen zu schreiben. Menschen, die mir ihre Geschichte erzählen und somit ein Puzzleteil zum Ganzen Südafrikas ausmachen.

Ich möchte mit einer Freundin beginne, die mir sehr ans Herz gewachsen ist. Ihr Name ist Lauren und sie befindet sich gerade im zweiten Jahr ihres Bachelor of Arts Studiums an der Rhodes Universität in Grahamstown. Kennengelernt haben wir uns bei einer Schwimmstunde von Kingswood, da sie in dem Internat der Schule als Betreuerin wohnt. Dies bietet die Chance, neben dem Studium kostenlose Unterkunft und Verpflegung zu erhalten.

Lauren wurde in Zimbabwe geboren und verbrachte dort die ersten zehn Jahre ihres Lebens. Ihr Vater hat britische und zum Teil auch irische Vorfahren, was ihn immer mehr dieser Kultur zugehörig fühlen lies. Ihre Mutter stammt aus Südafrika und hat hauptsächlich südafrikanische Verwandte, jedoch führen ihre Wurzeln nach Schottland.
In Zimbabwe besuchte Lauren zunächst eine staatliche Schule, da diese im Gegensatz zu den privaten Schulen, nicht europäisch orientiert war. Dort konnte man die einheimischen Sprachen Zimbabwes lernen. Es war nicht üblich, als weiße Familie, die Kinder auf eine staatliche Schule zu schicken, weshalb Laurens Eltern von Freunden als verrückt erklärt wurden.

Als Lauren in der dritten beziehungsweise vierten Klasse war, veränderte sich das Schulsystem. Dies führte dazu, dass kaum noch Lehrer unterrichteten und dadurch sehr viel Unterricht ausfiel. Lauren erinnert sich, im Klassenraum mit Klassenkameraden gesessen zu haben und aus Langeweile Zigaretten aus Papier gebastelt zu haben. Die ganze Situation verunsicherte die Eltern enorm.

Dadurch aber, dass private Schule sehr beliebt sind und manche Eltern ihr Kinder schon während der Schwangerschaft an jenen Schulen anmelden, war es unmöglichen, eine für Lauren zu finden. So verließ sie die Schule, ohne Aussicht auf einen Platz in einer anderen Schule. Für drei Monate ungefähr erhielt sie Privatunterricht. Die neue Art von Unterricht verunsicherte sie sehr, da der Fokus nun ganz allein auf ihr lag und sie vorher überhaupt nicht gefordert war. Dies führte auch zu jeder Menge Druck, jedoch empfindet Lauren es im Nachhinein als hilfreich, da sie so den Stoff, den sie zuvor versäumt hatte, aufarbeitete.
Durch jene Lehrerin gelangte sie letztendlich an einen Platz in der Privatschule. Diese war sehr teuer und für die „reichen, weißen kids“. Lauren erinnert sich, dass sie mit ihrem Namen nicht allein war, sondern die Schule voll von „Laurens“ war.
Zum Ende der fünften Klasse zog die Familie nach Johannesburg in Südafrika. Die wirtschaftliche Situation in Zimbabwe verschlimmerte sich täglich. Was morgens noch zehn Dollar kostete, kostet abends schon das zehnfache. Außerdem erhielt Laurens Mutter ein vielversprechendes Jobangebot.

Durch das neue soziale Umfeld hatte Lauren Schwierigkeiten anzukommen. Durch die entwickeltere Wirtschaft erlebte Lauren einen großen Hype um Konsum, den sie so nie in Zimbabwe erlebt hatte. Und das, obwohl sie eine staatliche Schule besuchte.
Auch dem Rest der Familie fiel es schwer, Freunde zu finden und sich einzuleben. Durch die Einsamkeit wuchs die Familie stark zusammen, die neben Lauren noch einen vier Jahre jüngeren Sohn hat. In Johannesburg wirkte es, als sei jeder unterwegs auf eigener Mission und nicht so sehr am Mitmenschen interessiert.

Vor allem Laurens Mutter litt unter dieser Atmosphäre. Nachdem beide Eltern kurzzeitig arbeitslos waren, erhielt der Vater einen objektiv betrachteten „Traumjob“. Jedoch litt die Familie sehr unter dem dadurch für den Vater beinhalteten Reisen.
So kamen sie zu dem Schluss, dass es so nicht weitergehen könne. Die Suche nach einer kleinen Stadt mit englischsprachiger Schule führte sie nach Graaf-Reinet im Eastern Cape. Diese ist die Heimatstadt Laurens Mutter. Als sie Graaf-Reinet verließ, schwor sie sich, nie wieder in diese kleine Stadt zurück zu kehren. Trotzdem zogen sie, ohne Perspektiven oder Sicherheiten dorthin. Dort gründeten sie eine Versicherungs- und Buchhaltungsfirma, die bis heute noch existiert. Sie zogen mehrfach um, bis sie schließlich ihren Platz in einem netten Haus fanden.
Lauren besuchte nun die englischsprachige staatliche Schule, an der sie ihr Matric absolvierte. Der Familienzusammenhalt, der in Johannesburg so gestärkt wurde, blieb weiterhin bestehen. Die Eltern sind immer noch sehr engagiert an der örtlichen Schule und unterstützen ihre Kinder sehr.

Nachdem sie nun die Schule erfolgreich absolviert hatte, stellte sich die Frage, wie es weitergehen sollte. Sie bewarb sich zwar bei Universitäten und wurde auch von der Rhodes Universität angenommen, jedoch wollte sie Erfahrungen außerhalb der Schulbank machen. So bewarb sie sich bei einem Programm, das junge Menschen für ein Jahr nach England begleitet und die Chance gibt, eine andere Kultur kennenzulernen. Leider wurde sie dort abgelehnt, aber war sich nun sehr sicher, nicht sofort mit dem Studium beginnen zu wollen, sodass sie sich für ein sogenanntes „Gapyear“ in Südafrika umsah. Ihr Weg führte sie zu einem Leadership Kurs in dem an der Ostküste gelegenen Jeffreys Bay. Ein Jahr lebte sie dort mit Christen zusammen, die ebenfalls eine Auszeit nahmen, um sich weiterzuentwickeln.
Als Lauren dann für das nächste Jahr für ein Auslandsjahr in England angenommen wurde, fand sie sich in einem Dilemma wieder. Einerseits war dies eine einmalige Gelegenheit, andererseits sah sie an ihren Freunden, wie diese ihre akademische Laufbahn verfolgten und sie selbst nicht einmal begonnen hatte.
Da diese Chance so verlockend war, nahm sie an und bereute keine Sekunde dieses Jahres.
In dem Jahr hat sie sich persönlich weiterentwickelt und ihre Leidenschaft für das Reisen entdeckt.
Nach dem Jahr begann sie dann in dem vier Stunden von ihrer Heimatstadt entfernten Grahamstown zu studieren.
Nicht nur die zwei Jahre Auszeit, sondern auch ihr Studium regten und regen sie immer wieder dazu an über ihre Identität nachzudenken. Im Studium geht es oft um die Identitätssuche von Menschen, die unterdrückt wurden oder unter dem Postkolonialismus leiden.
Besonders Lauren fällt es schwer eine länderspezifische Identität zu finden. Unter anderem aufgrund ihrer Hautfarbe fällt es ihr immer noch schwer sich südafrikanisch zu nennen, obwohl sie eine südafrikanische Geburtsurkunde hat (kann man in Südafrika auch erhalten, wenn man nicht direkt dort geboren wurde).
Aber auch Zimbabwe kann sie nicht als Heimat bezeichnen, auch wenn sie dort die Hälfte ihres Lebens gewohnt hat. Jedoch lernt sie immer mehr, dass genau diese Vielfalt an Herkunft und diese Rastlosigkeit typisch für viele Menschen in Afrika ist. Besonders in Südafrika leben vielen Menschen, die europäische Wurzeln haben, aber persönlich nichts mehr mit Europa zu tun haben, da sie ihr ganzes Leben in Südafrika verbrachten. Der Fakt, keine afrikanische Sprache zu lernen, da neben Englisch nur das holländisch ähnliche Afrikaans zwingend belegt werden muss, nimmt einen großen Teil der Kulturzugehörigkeit. Vor allem, da Afrikaans immer noch eng im Zusammenhang mit den Unterdrückern der Apartheid steht.
An der Universität werden immer mehr afrikanische Sprachen angeboten. In dem Fach Linguistik spricht man sehr viel über diese im Allgemeinen, aber man kann auch beispielsweise isiXhosa lernen. Lauren hat gerade begonnen diese komplexe Sprache zu lernen und taucht somit auch weiter in die Kultur dieser Region ein. Auch liest sie aufgrund des Studiums viel transnationale Literatur, die genau diese Problematik anspricht. Im Fokus liegt auch das Zurechtfinden in einer anderen Umgebung, einer neuen Heimat.

Auf die Frage, wo sie ihre Zukunft sieht, kann Lauren nur die Schultern zucken. Sie liebt Afrika und dessen Vielfalt, jedoch möchte sie alle Gelegenheiten nutzen und
Gerne möchte sie mehr ein Teil der afrikanischen Gesellschaft werden. Durch die Vielfalt ist dies zwar schwer, aber nicht unmöglich. Es benötigt mehr Zeit, aber macht die Gemeinschaft umso interessanter und wertvoller.
Man kann es fast als einen Trend beschreiben, den man vor allem an der Universität sehen kann, dass die Menschen versuchen, anders zu sein. Es beginnt bei dem Kleidungsstil und ihrem Auftreten. Die Wurzeln aber liegen in der Vielfalt der Herkunft und Identität. Diese reichen von anderen Ländern in Afrika über Inder und andere Ausländer aller Kontinente. Nicht zuletzt, wie ich nur für kurze Zeit.
Das zeigt auch, dass es nicht nur die Menschen hier betrifft, mit der Identitätssuche konfrontiert zu werden. Im Grunde stellt sich jeder die Frage, wer man sei. Selbstverständlich beeinflusst die sich ausbreitende Globalisierung diese Tatsache mehr und mehr.

Zu der Identität gehört für Lauren nicht nur die Herkunft, sondern auch die spirituelle Zugehörigkeit. Sie ist eine überzeugte Christin. Ihrer Meinung nach wollen viele Menschen die Identität fassen, sodass sie dem Materialismus verfallen und sich Dinge kaufen, die ihre vermeintliche Identität ausmachen.
Auch ihre zukünftige Arbeit soll teil ihrer Philosophie in der Hinsicht sein. Sie möchte „gutes tun“, denn Identität sei, was man macht. Man brauche immer ein Grundlage der Identität, jedoch solle es nichts vergängliches sein. Zwischenmenschliche Beziehungen seien beispielsweise eine gute Grundlage, denn diese geben Stabilität und Kontinuität.

Im Township habe ich schon mehrfach teure Schuhe an den Stromleitungen hängen gesehen. Diese werden dorthin gehängt oder teure Autos werden verbrannt, um zu zeigen, dass man diese teuren Sachen nicht braucht. Leider steht es zum großen Teil auch dafür, dass man sich genau diesen Materialismus leisten könne.

Am Ende unserer Unterhaltung erwähnt Lauren noch, dass es ihr sehr wichtig ist, ihr selbst genug zu sein. Oft werde die Identität auf Äußerlichkeiten reduziert und man ist nie hübsch genug. Dabei fängt Identität immer bei einem selbst an.

Identitätssuche findet man überall, es betrifft jeden Menschen und vor allem die Sinn Suche im Leben besteht aus der Identitätssuche. Es ist ein anhaltender Prozess, der das Leben der Südafrikaner, wie ich sie kennengelernt habe, dauerhaft begleitet.
Besonders die Philosophie darüber, das anders sein auszuleben, anstatt zu verstecken

Access Music Project – benachteiligten Schuelern die Chance geben, Zugang zur Musik zu erhalten

Seit nun gut einem Monat habe ich begonnen am Nachmittag in einem neuen Projekt zu arbeiten, das ich in meinem vorhergehenden Blogeintrag schon grob erwaehnte. Nun wird es Zeit, da ich mich ziemlich gut in dem Projekt eingelebt habe, es etwas genauer zu beschreiben. Ich hoffe damit wenigstens zum Teil meine Begeisterung fuer dieses teilen zu koennen und auf das Interesse des ein oder anderen zu stossen.

Access Music Project (im folgenden mit AMP abgekuerzt) ist, wie der Name schon besagt, ein Projekt, bei dem Schueler die Chance erhalten, einen Zugang zur Musik zu bekommem. Das Projekt nutzt die Raeumlichkeiten des sogenannten “Joza Youth Hub”, in dem auch andere NGOs (non-governmental organisations – nicht staatliche Organisationen) ihren Sitz haben. Man gelangt in das Township “Joza” auf einer kurvigen Strasse richtung Nord-Osten aus dem Stadtkern Grahamstowns heraus.

Es werden aber auch Raeumlichkeiten der umliegenden Schulen genutzt.

2011 wurde AMP von Shiloh Marsh und Gareth Walwyn gegruendet. Beide haben ihr Lehrdiplom und Gareth war zur Zeit vor der Gruendung von AMP Lehrer an einer wohlhabenden Privatschule in Grahamstown. Dort erlebte er die musikalische Erziehung von den wenigen privilegierten, reichen Menschen. Dadurch wurde ihm noch deutlicher bewusst, wie wichtig und noetig es ist, die Schueler der benachteiligten Schulen im Township an die Musik heranzufuehren. Durch die Apartheid, die schon vor ueber 20 Jahren endete und trotzdem heute noch das alltaegliche Leben praegt, wurde der dunkelhaeutigen Bevoelkerung Suedafrikas keine, beziehungsweise sehr schlechte Bildung ermoeglicht. Ganz zu schweigen von kuenstlerischer und kreativer Bildung, wie Musik. Leider ist dies zum groessten Teil immer noch der Fall.

Dadurch, dass Gareth in verschiedensten Bereichen mit Musikern zusammengearbeitet hat, traf er haeufig talentierte Musiker, die es sehr schwer haben, da ihnen die grundlegende Bildung von Musik fehlt. Dies erlebte er vor allem an der Universitaet, wo er Vorlesungen hielt, aber auch bei der allgemeinen Arbeit mit Musiker.

Gareths Zugang zur Musik began schon sehr frueh. Als er im noerdlich gelegenen Johannesburg aufwuchs, besuchte er eine Privatschule, die Musikunterricht anbot. Auch setzte er diesen fort, als er nach Grahamstown zog und absolvierte ein sogenanntes “music scholarship”.

Shiloh began ebenfalls sehr frueh, Musikunterricht zu nehmen. In der Grundschule war es noch zusaetzlicher Unterricht, der auch zusaetzlich bezahlt werden musste. Auf der weiterfuehrenden Schule hingegen war Musik ein offiezielles Fach, das auch im Abitur belegt werden konnte. Jedoch muss man dazu sagen, dass es sich dabei um eine ausschliesslich weisse Staatliche Schule handelte, die mehr Ressourcen zur Verfuegung hatte.

Aus dem Hintergrund heraus und der Intension, dieser ungerechten Verteilung der Ausbildung entgegen zu wirken, ist AMP entstanden.

Als ich mit Shiloh ueber die Visionen von AMP sprach, stand ganz oben, den Schuelern eine Zukunft zu schaffen. Das Ziel ist es, alle historisch benachteiligten Schueler zu lehren.

“Wenigstens in Grahamstown”, fuegte Shiloh mit einem Lachen hinzu.

Leider ist es schwer, eine Musikschule einfach aus dem Nichts heraus fuer etliche Schueler zu gruenden. Shiloh und Gareth sind dem Rat gefolgt, einfach zu beginnen und meiner Meinung nach, war dies die richtige Entscheidung, denn AMP ermoeglicht schon einigen Schuelern eine gute und solide Ausbildung. Trotzdem merkt man, dass das Projekt Zeit braucht, um sich zu entwickeln. Vor allem stellt die staendige Sorge um die Finazierung des Projektes und auch der Mitarbeitermangel ein Problem dar.

Obwohl diese Sorgen immer im Hinterkopf praesent sind, kann man eine gewisse Hoffnung und Zuversicht spueren. AMP verfuegt schon ueber etliche Musikinstrumente und ist dabei, die Auswahl zu vergroessern. Ausserdem sollen die Schueler beginnen “richtige” Examen zu schreiben, um eine bessere Chance in der Musikbranche nach der Schule zu erhalten.

Das Ziel ist es, sich einen Namen zu machen, sodas die Maengel, die Shiloh und Gareth in ihrer eigenen Musikerziehung erfahren haben, bei AMP nicht auftreten.

So wird beispielsweise an den Privatschulen hauptsaechlich klassische Musik gelehrt. Die Erziehung ist sehr europaeisch orientiert und laesst keinen Freiraum fuer afrikanische Musik. Dabei ist diese sehr vielfaeltig und anspruchsvoll. Des Weiteren wird oft nur Einzelunterricht angeboten und nicht die Moeglichkeit gegeben, in einen Orchester oder einer Band zu spielen. Die Instrumentenauswahl ist ebenfalls sehr beschraenkt und besteht lediglich aus Blockfloete und Klavier. So moechte AMP den Schuelern die Moeglichkeit geben, die Vielfalt der Musik kennenzulernen und kreativ zu sein. Ich habe selbst schon haeufig mitbekommen, dass die Schueler, sowohl im Orchester, als auch im Einzelunterricht nach Musikwuenschen gefragt wurden.

Dass die Privatschulen so europaeisch orientiert sind, ist eine Folge der Kolonialzeit. Suedafrika war zuerst eine Kolonie der Niederlaender und dann der Briten. Durch die Kolonialisierung wurde der afrikanischen, dunkelhaeutigen Bevoelkerung beigebracht, dass sie unentwickelt seien und ihre Kultur weniger wert sei. Noch heute denkt ein Teil der dunkelhaeutigen Bevoelkerung Suedafrikas, dass die europaeische Kultur besser sei, als die afrikanische.

Bersonders die Uebernahme der Bildung durch die europaeischen Kolonialmaechte sorgte dafuer. Dadurch, dass immer noch leitende Institutionen europaeisch gepraegt sind, orientieren sich vor allem junge Menschen an diesen Standardts.

Leider wird dadurch der Wert afrikanischer Kultur vollkommen uebersehen. Die Vielfalt von Sprache (11 offizielle Amtssprachen allein in Suedafrika), Kleidung, Essen, Sozialisierung, wie Werte, Kommunikation und Welt-Sicht gehen dadurch verloren. Und natuerlich auch die Kuenste, wie die Musik, aber auch Tanz und Theater.

AMP moechte den Schuelern nicht nur Spass bereiten, sondern einen richtigen Zugang zur Musik gewaehren. Die Schueler sollen eine Zukunft in der Musik haben und dies als ihren Beruf ausueben koennen.

Ein Schritt, meiner Meinung nach, in die richtige Richtung war das seit einigen Jahren jaehrlich stattfindende Konzer “Masicule” (das C wird mit einem Klicklaut versehen). Dort traten in einem grossen Konzertsaal die Choere fast aller Schulen von Grahamstown auf. Es war wundervoll, all die Schueler gemeinsam musizieren zu sehen, egal, ob sie aus den aermsten Verhaeltnissen im Township stammen oder aus einer der reichsten Familien einer Privatschule.

Auch die Liederauswahl enthielt von allem etwas, so wurde eine afrikanische Version des ersten Teils der Nationalhymne “Nkosi sikelel iAfrika” gesungen. Es wurde aber auch das “Halleluja” von Haendel aufgefuert, das von einem Orchester begleitet wurde, in welchem ich mitspielte.

So sah ich nicht nur die Show, sondern erhielt auch einen Enblick hinter die Kulissen.

Insgesamt ist AMP ein Projekt, das eine wundervolle und inspirierende Geschichte hat und hoffentlich eine erfolgreiche Zukunft, in der die Apartheidsgeschichte Suedafrikas endgueltig Geschichte sein kann und talentierte Menschen die Chance haben, erfolgreich zu sein.

Ich erlebe hier taeglich die Vielfalt der Musik und den Zusammenhalt, den diese schaffen kann.

Sechster Monat – Halbzeit

Die Zeit des Reisens ist zu ende und der „Arbeitsalltag“ hat wieder begonnen. Ich habe traurig feststellen müssen, dass schon über die Hälfte meines Freiwilligendienstes vergangen ist.

Zeit zurückzublicken und das letzte halbe Jahr zu reflektieren, aber auch in die Zukunft zu schauen und die andere Hälfte zu planen.
Das letzte halbe Jahr war geprägt von zahlreichen Erfahrungen, Projektänderungen und wertvollen Bekanntschaften. All dies hat mir nicht nur einen Einblick in das Leben und die Kultur Südafrikas gegeben, sondern hat mich auch persönlich wachsen lassen.Ich möchte keine dieser Erfahrungen missen und hoffe, dass die vor mir liegende Zeit weitere wertvolle Erfahrungen mit sich bringen wird.

Diese Zeit wird hoffentlich auch eine Zeit, in der ich meinen Platz als Freiwillige finden werde. Anlass dazu gibt mir zum einen, dass sich meine Wohnsituation geklärt hat. Nach einigen Komplikationen habe ich nun endlich den Vertrag für meine Wohnung bis zum Ende meines Freiwilligendienstes unterschrieben. Ich wohne in einer Wohngemeinschaft mit drei Studenten, die gerade ihren Abschluss an der Rhodes Universität anstreben. Wir leben in einem Haus, das von meiner vorherigen Wohnung aus gesehen auf der anderen Seite der Stadt liegt. Dies ist leider auch der einzige Nachteil der Wohnsituation, da es mich vierzig Minuten kostet, um zur Arbeit zu laufen. Jedoch darf ich das Fahrrad meiner Mitbewohnerin die meiste Zeit benutzen, was mich viel Zeit sparen lässt. Des Weiteren hat das Haus einen wundervollen Garten und liegt in einem sehr ruhigen Teil der Stadt.

Nicht nur meine Unterkunft, sondern auch mein neues Projekt geben mir einen Grund mich auf die kommende Zeit zu freuen.
Ich habe begonnen nachmittags in einem Musikprojekt zu arbeiten. Der Name des Projektes ist „Access Music Project“ und gibt, wie der Name schon sagt, Schülern einen Zugang zur Musik. Die Schüler kommen aus verschiedenen Schulen des größten Townships in Grahamstown namens Joza. Mit dem Projekt beginnen sie in der achten Klasse und erhalten dann Unterricht bis sie die Schule beenden.

Das Programm ist so aufgebaut, dass die Schüler, so gut wie möglich, sehr umfangreichen Unterricht erhalten. So spielen sie einmal in der Woche in einer Marimba Band, in der auf den Xylophon ähnlichen, typisch südafrikanischen Instrumenten in Gruppen von acht bis zwanzig Schülern Stücke eingeübt werden. Dabei spielen sie auf Piccolo-, Sopran-, Tenor- und Bass-Marimbas, sodass eine große Anzahl an Stücken gespielt werden kann.

Des Weiteren erhalten die Schüler Einzelunterricht in einem Instrument, das sie auswählen können. Zur Auswahl stehen diverse Blasinstrumente, Klavier, Cello und Bass. Sie haben außerdem die Möglichkeit in einem Orchester ihr Instrument zu spielen. Die Lehrer legen darauf wert, dass nicht nur die bekannten Komponisten gespielt werden, sondern auch traditionell südafrikanische Stücke und südafrikanische Popmusik.
Einmal in der Woche muss dann noch der Theorieunterricht besucht werde, in dem auch Tests geschrieben werden und die Hausaufgaben fleißig erledigt werden müssen.

Dadurch, dass deutlich mehr Schüler daran interessiert sind Musik zu lernen, als es dem Projekt möglich ist zu unterrichten, bin ich froh, dass ich das Projekt unterstützen kann. Meine Aufgabe ist es, verschiedene administrative Aufgaben zu erledigen, die neben dem Unterricht oft zu kurz kommen. Außerdem unterstütze ich die Lehrer beim Marimbaunterricht und helfe beim Theorieunterricht der Anfänger. Obwohl ich erst begonnen habe dort zu arbeiten genieße ich es schon sehr und habe mich schon zeimlich gut eingelebt. Vor allem genieße ich es in dem Orchester mitzuspielen. Ich habe sogar eine Querflöte geliehen bekommen, die ich fleißig spiele. Es ist interessant einen Einblick in die südafrikanische Welt der Musik zu bekommen.

Besonders das Projekt führt dazu, dass ich mich sehr auf die nächste Zeit freue. Aber auch meine Freizeit genieße ich sehr. Ich habe begonnen am nahe gelegenen Strand zu surfen. Außerdem besuche ich zweimal wöchentlich mit Chiara, einer Freiwilligen von einer anderen Organisation, den Karateunterricht. Dies macht sehr viel Spaß, auch wenn wir bei den Anfängern den Altersdurchschnitt deutlich erhöhen.
Des Weiteren nehme ich an einer sogenannten „small group“ teil, bei der sich junge Menschen (hauptsächlich Studenten) einmal wöchentlich treffen, um über Gott und die Welt zu reden. Auch versuche ich ein paar Vorlesungen an der Universität zu besuchen. Es ist angenehm mal wieder etwas zu lernen und auch interessant einen Einblick in die Universität zu bekommen. Vor allem, da diese einen großen Teil der Stadt ausmacht.

So erlebe ich immer etwas Neues und mir wird definitiv nicht langweilig. Viele Freundschaften und Bekanntschaften führen dazu, dass ich auch in der, neben Arbeit und Freizeitbeschäftigungen, mir übrig bleibenden Zeit beschäftigt bin.

Fünfter Monat – Der Wert des Wassers

Der fünfte Monat bestand aus zwei verschiedenen Urlauben.

Der erste führte mich mit den anderen Freiwilligen, wie schon beschrieben, nach Durban. Nachdem wir wieder in Grahamstown waren, verbrachten wir Weihnachten mit drei weiteren Freiwilligen, die ihren Freiwilligendienst in Namibia verbringen. Da sie Südafrika erkunden wollten, machten sie auch einen Zwischenstopp in Grahamstown.

Danach ging es für mich nach Graaf-Reinet. Ich ging alleine, getrennt zu meinen Mitfreiwilligen in den Urlaub, da wir uns leider nicht mehr gut verstehen.

Ich erhielt zufällig eine spontane Mitfahrgelegenheit mit Aldys Schwester, Inge, und trat somit nach einminütigem Packen die Fahrt in den Norden an.

In Graaf-Reinet verbrachte ich eine Nacht bei Inge und zog dann bei der Familie einer Freundin namens Lauren ein, die ich in Grahamstown kennengelernt habe.

Zusammen verbrachten wir Silvester und weitere zwei Wochen. Ich lernte die brütende Hitze des nördlicheren Südafrikas kennen, da die Temperaturen meistens um die vierzig Grad betrugen. Es war eine wundervolle Erfahrung einen Einblick in eine südafrikanische Familie zu bekommen. Zumal sie die Vielfalt Südafrikas widerspiegelt und zeig, dass die südafrikanische Kultur und Lebensweise von vielen Einwanderern und Ausländern geprägt ist. Die Familie stammt zum einen Teil aus Zimbabwe und hat dort einige Jahre gelebt, bis es sie nach einem zweijährigen Zwischenstopp im belebten Johannesburg in die ruhige Heimatstadt der Mutter zurückzog.

Egal wen man kennenlernt, jeder hat Verwandte oder Wurzeln in anderen, auch nichtafrikanischen, Ländern. Auch haben viele Verwandte oder Freunde in Deutschland. Wenn man über Deutschland redet kennt immer jemand einen Deutschen, über den es etwas zu erzählen gibt. So wurde ich schon gefragt, ob ich den Jochen aus Deutschland kennen würde. Weitere Angaben, als den Namen konnte die Person mir leider nicht geben.

Aber nicht nur die Menschen, die ich kennengelernt habe, haben meinen Aufenthalt in Graaf-Reinet so schön und interessant gemacht, sondern auch die atemberaubende Landschaft.

Eine geheime Leidenschaft der Südafrikaner ist es Berge zu besteigen. So kletterten wir bei unfassbaren Temperaturen an steinigen Trampelpfaden die Berge hinauf. Man muss zugeben, dass es sehr viel Spaß macht und man kann sehr stolz sein, wenn man hinunter auf das weit entfernte Tal schauen kann und den besten Blick auf die Landschaft erhält.

Auch der Aufenthalt auf einer Farm öffnete mir die Augen für den Reichtum der südafrikanischen Natur. Es ist ein unvorstellbares Gefühl, wenn man auf die Weiten der Landschaft schaut und endlos durch diese wandert, die kaum von Menschen betreten wurde. Nicht nur wandern, sondern endlose Autofahrten zeigen einem, wie viel Land mit wenigen Menschen Südafrika zu bieten hat. Man begegnet keiner Menschenseele auf kilometerlangen Straßen. Man fühlt sich unfassbar klein und trotzdem ist es faszinierend zugleich.

Am beeindruckendsten war aber der Abend, an dem ein starkes Gewitter auftrat. Wir beobachteten bei einem Glas Champagner den prasselnden Regen und die zahlreichen Blitze. Ich sah Regen mit komplett anderen Augen. Jeder freute sich und man konnte überall eine freudige Stimmung fühlen. Die Farmer, beziehungsweise deren Land, litten die letzten zweieinhalb Jahre unter katastrophaler Trockenheit, welche zahlreiche Brände und das Sterben des Viehs verursachte. Selbst in der Stadt war das Gesprächsthema Nummer eins der Regen. Im Supermarkt sah man glückliche Farmer einkaufen und man freute sich automatisch mit ihnen.

Ein großes Highlight meines Urlaubs war der Besuch eines Privaten Game Reserves direkt neben Graaf-Reinet.

Laurens Vater besuchte dieses geschäftlich und nahm mich mit, da die Kunden zu einer Game Tour einluden. Wir hatten unfassbar viel Glück, denn wir bekamen um die zwölf Nashörner fast jeden Alters direkt neben uns zu Gesicht. Diese sind sehr selten und vom Aussterben bedroht, da ein großer illegaler Handel mit den Hörnern in ganz Afrika besteht.

Des Weiteren sahen wir eine Herde Büffel und zahlreiche Giraffen. Auch sprangen einige Affen, Kudus und diverse Böcke an uns vorbei.

Es war ein unvergesslicher Ausflug mit Einblick in die interessante und vielfältige Tierwelt.

Auch kulinarisch wurde ich verwöhnt, ich genoss sehr von der Familie bekocht zu werden, anstatt für mich selbst kochen zu müssen. In einer niedlichen Pizzeria im nahe gelegenen Nieu Bethesda probierte ich Kudu-Salami und wir besuchten die lokale Brauerei, die Karoo-Beer anbietet.

Ich habe aber nicht nur die großen Ausflüge genossen, sondern auch die kleinen, teilweise spontanen, Momente. Wir feierten den fünfzigsten Geburtstag von Laurens Mutter, bei dem ich einen großen Teil der entfernteren Familie kennenlernte. Des Weiteren gingen wir nachts baden, ich fuhr das erste mal seitdem ich in Südafrika bin Fahrrad und wir schliefen unter dem beeindruckendem Sternenhimmel. Wir besuchten einen Kaktusgarten, passten auf verschiedene Häuser auf, deren Besitzer im Urlaub waren und kümmerten uns um unzählige Katzen, Hunde und Vögel. Wir bastelten Pfeil und Bogen, pflückten Feigen, buken Kuchen und Rusks. Sahen wilde Pferde, tanzten im Regen und hörten eine inspirierende Predigt in einer charismatischen Kirche. Besuchten Museen, fuhren mit einem Boot auf dem Damm und besuchten Gallerien.

20161230_17265220170111_18082320170112_160123dsc_0009dsc_0025dsc_0028dsc_0034dsc_1612dsc_1629dsc_1643dscn5631img-20161225-wa0050img-20170108-wa0000Insgesamt hatte ich eine wundervolle Zeit mit wundervollen Menschen in einem wundervollen Land.

Schöner Abschluss des vierten Monats

Das Schuljahr in Südafrika hat sich dem Ende zugeneigt und die Sommerferien haben begonnen. Um das Land in dem wir für ein Jahr leben sowohl kulturell, als auch landschaftlich besser kennenzulernen, haben wir uns auf einen Roadtrip in den Osten aufgemacht.

Erster Stopp war die im Stadtkern sehr hektische Stadt King Williams Twon. Dort besuchten wir das Steve Biko Museum, welches eine Biografie über jenen und die Bewegung mit ihm zeigt. Trotzdem es etwas zu heroisierend gestaltet war, war es sehr informativ und interessant anzusehen.

Danach führte uns unser Weg zu dem ersten Hostel in East London. Dieses lag, zu unserem Glück, direkt neben dem Meer. Leider ist der Strand noch der schönste Teil der Stadt, da diese generell mit ihren Gebäuden keinen schönen Anblick bietet. Auch das Aquarium ist zwar interessant, da man neben diversen südafrikanischen Fischarten auch die bekannten südafrikanischen Pinguine besichtigen kann, jedoch ist es sonst ziemlich dreckig.

Unsere Fahrt führte uns weiter durch die belebte Stadt Mtatha, auf deren Straßen ein starkes Gewimmel herrscht. Danach folgte eine fünfzig Kilometer lange Dirtroad, auf der wir nach drei Stunden Fahrt den idyllischen Ort Mdumbi erreichten. Durch die Ruhe und den wunderschönen Strand begeistert, entschieden wir kurzfristig eine Nacht länger in den traditionellen Xhosa Hütten zu bleiben.

Als wir dann weiter fuhren überquerten wir die Grenze vom Eastern Cape zu Kwazulu Natal. Diesen Übergang konnte man nicht nur an dem Namen, sondern auch an der Veränderung der Landschaft erkennen. In Kwazulu Natal findet man Unmengen an Baumplantagen. Abends kamen wir in unserer Unterkunft an, die gerade kein Wasser zur Verfügung hatte. So merkt man erst einmal, wie gewohnt man an die nicht überall selbstverständlichen Dinge ist.

Der nächste Stopp war dann Durban. Dort angekommen mussten wir feststellen, dass das gebuchte Backpacker Hostel nicht mehr existiert und wir mussten uns eine neue Unterkunft suchen. Zum Glück fanden wir schnell etwas Passendes.

Durban ist eine sehr hektische Stadt, vor allem wenn man sich das empfehlenswerte indische Viertel und den Victorian Market anschaut. Auch das Museum über die indisch südafrikanische Geschichte ist empfehlenswert, da man selten von diesem Aspekt der südafrikanischen Geschichte hört. Trotzdem ist es ein großer Teil und man erkennt schnell, dass die Inder in Durban das Stadtbild bestimmen.

Wegen des Strandes, weshalb viele Touristen nach Durban kommen, lohnt es sich eigentlich nicht dorthin zu fahren, hingegen ist der große Hafen beeindruckend.

Auf dem Weg in die Drakensberge hielten wir bei dem schönen Howick Wasserfall. Nun begann der landschaftlich schöne Teil der Reise. Die Drakensberge eignen sich sehr gut für lange Wanderungen und besonders an heißen Tagen kann man sich bei den kleinen Pools der Flüsse oder direkt bei einem Wasserfall von dem kalten Bergwasser abkühlen lassen.

Nach den Drakensbergen führte uns unser Weg auf der N2 wieder zurück nach Grahamstown.

Insgesamt war es ein vor allem durch die wunderschöne Landschaft beeindruckender Urlaub, der die große Vielfalt Südafrikas unterstrichen hat.

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Rising Women

Einen besonderen Höhepunkt der letzten Zeit stellte für mich die Teilnahme an einem Gespräch der „Rising Women“ Bewegung dar.

Diese ist im Mai diesen Jahres entstanden. Die Leiterin der Bewegung ließ sich von den Gesprächen in Checkers (einem lokalen Supermarkt) und mit den Nachbarinnen dazu inspirieren, Frauen dazu aufzufordern über ihre Probleme und Wünsche zu sprechen. Außerdem soll Frauen eine Stimme gegeben werden, um sich unter anderem mit dem Machtbegriff auseinander zu setzten. Sie gründete eine Facebook Seite, auf der man Inspiration finden kann. Diese ist aber hauptsächlich dazu da, andere Frauen anzutreffen und sich gegenseitig zu helfen. Das genügte der Leiterin jedoch nicht, denn „tiping just with your thumbs is no conversation“ (nur mit den Daumen zu schreiben, sei kein Gespräch). Also beschloss sie, die Frauen, die sie kannte, zu einem Treffen zusammenzurufen. Das erste Treffen fand durch den Womens Day inspiriert an jenem im August statt. Durch Mund zu Mund Propaganda schaffte sie es bei dem dritten Treffen, bei welchem ich teilnahm, schon eine Anzahl von ungefähr zwanzig interessierten Frauen zu versammeln.
Das Ziel der Bewegung ist es, von den Grahamstown Frauen über das Eastern Cape hin zu allen interessierten Frauen sich zu verbreiten.
Es sind schon weitere Projekte geplant, bei denen Frauen geholfen wird, Mutter oder Ehefrau zu sein. Der Gedanke dabei ist es, sich gegenseitig zu unterstützen, Rat weiterzugeben und alltäglich Situationen und Gegebenheiten sinnvoll zu machen.

Besonders bedeutend ist der Name und das Logo der Bewegung.
Nach langem Nachdenken wurde diese „Rising Women“ genannt. Das Logo ist meiner Meinung nach sehr gut gelungen.
Es stellt eine wachsende, beziehungsweise nach oben strebende, Frau dar, deren Kleid aus einer umgedrehten Rose besteht, deren Stängel das Oberteil der Kleides einnimmt. Die Rose ist gelb, da die Farbe gelb für „sisterhood“ steht. Es ist wichtig, dass die Frauen zusammen in der Gemeinschaft etwas erreichen wollen. Dabei besteht die Gemeinschaft aus allen afrikanischen Frauen, weshalb die Frau eine schwarze Afrikanerin ist.
Mir ist schon des öfteren aufgefallen, dass die Zugehörigkeit zu Afrika für viele einen großen Teil der Identität ausmacht. Auch beim Beten wird häufig für das Volk Afrikas gebetet.
Des Weiteren ist eine Grundphilosophie der Bewegung sich selbst Gedanken zu machen, weshalb betont wurde, dass das Logo für jeden unterschiedliche Aspekte mit unterschiedlicher Gewichtung enthält.

Bei dem Gespräch, an dem ich teilnahm, trat eine Gastsprecherin namens Dr Pinky Ngcakani-Ncula auf. Man musste einen african doek tragen, welches eine typische Kopfbedeckung der Xhosa Tradition ist. Es war ein großer Aufwand diesen auf meinen glatten Haaren zu befestigen.
Das ganze Gespräch stand unter dem Bibelvers Esther 4:14: „Indeed, if you are silent at this time, relief and deliverance will come to the Jewish people from another place, but you and your father‘s family will perish. Who knows but that you were brought to the kingdom for a time like this?“ / „Wenn du in diesem Tag schweigst, dann wird den Juden anderswoher Hilfe und Rettung kommen. Du aber und das Haus deines Vaters werden untergehen. Wer weiß, ob du nicht gerade dafür in dieser Zeit Königin geworden bist?“
Der Vers diente als Grundlage, da es darum geht, nichts an der Zeit ändern zu können, in die man geboren wird, aber das Beste daraus zu machen und dem Leben einen Sinn zu geben.

Die Rede behandelte darauf basierend, wie man dem Leben einen Sinn geben kann. Sie handelte von der Zeit, bei der jede Millisekunde genutzt werden könne, auch wenn man im Auto sitzt und nichts zu tun hat. Man solle sich mit dem eigenen Leben auseinandersetzen und sich vorstellen für jedes Jahr Geld zu erhalten. Damit stellte sie praktisch dar, dass man dem Leben einen Wert geben solle, der es wert sei zu leben. Sie verglich die Verantwortung für das Gelingen des eigenen Lebens mit dem entsperren einen Handys. Wenn man die korrekten Punkte verbindet, bekommt man Zugang zum Leben. Die Kombination anderer helfe da nicht weiter.
Des Weiteren sprach die Gastsprecherin von der Selbstwahrnehmung und der Gottesbeziehung jedes einzelnen, die immer verbessert werden könne. Dadurch könnten vor allem Frauen wachsen (rise).
Die ganze Rede zeigte, dass Frauen Eigeninitiative ergreifen und trotzdem gemeinsam Ziele verfolgen sollen. Man solle Gleichgesinnte finden, bei denen es nicht auf die quantitative Anzahl der an dem Gespräch teilnehmenden Frauen gehe, sondern um die qualitativen Ergebnisse.
Außerdem wurde der Unterschied zwischen Wissen und Weisheit betont. Wissen sei lediglich vorgegebenes Auswendiglernen. Weisheit hingegen benötige Reflexion, welche anstrengender sei, aber mehr Ertrag bringe.

Geschlossen wurde die Rede mit einem Gebet, in dem jeder individuell noch einmal den Sinn der Bibelverses Esther 14:4 überdachte.

Es war eine wunderschöne Erfahrung, Frauen zusammenkommen zu sehen, die das Leben lebenswert machen wollen.

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Dritter Monat

Auch der dritte Monat hat wieder einmal viele Erfahrungen und Erlebnisse mit sich gebracht. 

Wie schon geschrieben, ist Clara bei uns eingezogen und es hat sich ein entspannter Alltag zu dritt eingestellt. Wir verstehen uns sehr gut und werden sicherlich noch Einiges zusammen erleben.

Zusammen haben wir es geschafft ein zu uns passendes Auto zu kaufen (einen kleinen Hyundai Atoz Prime namens Hannelu). Dies stellte sich als nicht allzu einfach dar. Nicht nur, dass wir schon zwei Monate nach einem Auto gesucht haben und nun endlich eines gefunden haben, hat uns erleichtert, sondern auch, dass wir es geschafft haben, dem Verkäufer sein Geld zu geben. Nichtsahnend trafen wir uns an dem Verkaufstag mit dem Verkäufer und wollten ihm sein Geld transferieren. Da wir aufgrund unserer ausländischen Konten und dem Wechselkurs das Geld nicht überweisen konnten, mussten wir eine andere Lösung finden. Jedoch war es uns auch nicht möglich, das Geld an einem Automaten abzuheben und es wieder einzuzahlen, da es sich um eine zu große Summe handelte (man beachte den Umrechnungsfaktor von 15, der aus ein paar Hundert Euro schnell ein paar tausend Rand macht). So mussten wir in R2500/ R5000 Schritten das Geld abheben, welches uns in R50-Scheinen herausgegeben wurde. Am Ende streckte uns liebenswerter Weise unser Mentor einen Teil des Geldes vor, den wir ihm dann nach und nach zurückzahlen konnten, sonst hätten wir den ganzen Tag in der Bank verbracht.
Es ist zwar ein kleines Auto mit einem schwachen Motor, jedoch erleichtert es uns den Alltag und vor allem die Urlaubsplanung enorm.
Wir haben mit ihm schon zwei Wochenendausflüge erlebt.
Zum einen sind wir, während Clara mit ihrem Vater den abenteuerlichen Addo Elephant Park erkundete, nach Port Alfred gefahren, um die größte Ananas der Welt anzuschauen. Diese enthält ein Museum über die Ananasplantagen im Eastern Cape und einen Laden, der günstig, frische Ananas verkauft. Auf der Heimfahrt haben wir noch das kleine Dorf Barthurst angeschaut und dessen Markt erkundet. Des Weiteren haben wir ein kleines Monument entdeckt, das eine schöne Aussicht über die Berge und die schöne Landschaft bot, jedoch war leider das Wetter nicht allzu passend.
Am nächsten Tag wurde Clara vom Flughafen in PE abgeholt, da sie ihren Vater dorthin begleitet hatte.
Der andere Ausflug führte uns mit Nele, einer der Freiwilligen aus Alexandria, nach Assegaai. Dort kann man durch die Traumhafte Landschaft wandern und mit Glück einige Tiere entdecken. Wir stolperten über eine Schildkröte und zwei Schlangen. Außerdem sahen wir eine Herde von acht Giraffen.

Ein weiteres Highlight in unserer Freizeit stellte der gemeinsame Friseurbesuch dar. Von den vielfältigen Frisuren inspiriert, die wir jeden Tag auf der Straße sehen, ließen wir uns in einem kleinen Friseursalon die Haare in Braids flechten und drehen. Durch das Resultat begeistert, vergaßen wir schnell den Schmerz und den Zeitaufwand (vier und sechs Stunden). Auch auf der Straße wurden wir schon mehrfach auf unsere Frisuren angesprochen und uns wurde klar, dass von einem Weißen nicht erwartet wird, die Haare auf diese Art und Weise frisieren zu lassen. Trotzdem bekamen wir nie negative Kommentare zu hören, sondern erhielten, im Gegenteil, einige Komplimente.

Auch die Kinder, sowohl in der Preschool, als auch in Amasango waren sichtlich von unseren Haaren begeistert und spielten mit diesen.
Generell genießen wir die Zeit mit den Kindern sehr. Der Gesang am Anfang des Schultages in Amasango und die Tänze ließen uns schon einige Male staunen.
So ging schon der dritte Monat unseres Aufenthaltes zu ende. Wir fühlen uns hier immer mehr zuhause und leben uns sehr gut in die Arbeit ein. Überraschungen, wie die Probleme beim Autokauf, treten immer wieder auf, jedoch können wir darüber sehr gut lachen und so wird es auch niemals langweilig.