Fünfter Monat – Der Wert des Wassers

Der fünfte Monat bestand aus zwei verschiedenen Urlauben.

Der erste führte mich mit den anderen Freiwilligen, wie schon beschrieben, nach Durban. Nachdem wir wieder in Grahamstown waren, verbrachten wir Weihnachten mit drei weiteren Freiwilligen, die ihren Freiwilligendienst in Namibia verbringen. Da sie Südafrika erkunden wollten, machten sie auch einen Zwischenstopp in Grahamstown.

Danach ging es für mich nach Graaf-Reinet. Ich ging alleine, getrennt zu meinen Mitfreiwilligen in den Urlaub, da wir uns leider nicht mehr gut verstehen.

Ich erhielt zufällig eine spontane Mitfahrgelegenheit mit Aldys Schwester, Inge, und trat somit nach einminütigem Packen die Fahrt in den Norden an.

In Graaf-Reinet verbrachte ich eine Nacht bei Inge und zog dann bei der Familie einer Freundin namens Lauren ein, die ich in Grahamstown kennengelernt habe.

Zusammen verbrachten wir Silvester und weitere zwei Wochen. Ich lernte die brütende Hitze des nördlicheren Südafrikas kennen, da die Temperaturen meistens um die vierzig Grad betrugen. Es war eine wundervolle Erfahrung einen Einblick in eine südafrikanische Familie zu bekommen. Zumal sie die Vielfalt Südafrikas widerspiegelt und zeig, dass die südafrikanische Kultur und Lebensweise von vielen Einwanderern und Ausländern geprägt ist. Die Familie stammt zum einen Teil aus Zimbabwe und hat dort einige Jahre gelebt, bis es sie nach einem zweijährigen Zwischenstopp im belebten Johannesburg in die ruhige Heimatstadt der Mutter zurückzog.

Egal wen man kennenlernt, jeder hat Verwandte oder Wurzeln in anderen, auch nichtafrikanischen, Ländern. Auch haben viele Verwandte oder Freunde in Deutschland. Wenn man über Deutschland redet kennt immer jemand einen Deutschen, über den es etwas zu erzählen gibt. So wurde ich schon gefragt, ob ich den Jochen aus Deutschland kennen würde. Weitere Angaben, als den Namen konnte die Person mir leider nicht geben.

Aber nicht nur die Menschen, die ich kennengelernt habe, haben meinen Aufenthalt in Graaf-Reinet so schön und interessant gemacht, sondern auch die atemberaubende Landschaft.

Eine geheime Leidenschaft der Südafrikaner ist es Berge zu besteigen. So kletterten wir bei unfassbaren Temperaturen an steinigen Trampelpfaden die Berge hinauf. Man muss zugeben, dass es sehr viel Spaß macht und man kann sehr stolz sein, wenn man hinunter auf das weit entfernte Tal schauen kann und den besten Blick auf die Landschaft erhält.

Auch der Aufenthalt auf einer Farm öffnete mir die Augen für den Reichtum der südafrikanischen Natur. Es ist ein unvorstellbares Gefühl, wenn man auf die Weiten der Landschaft schaut und endlos durch diese wandert, die kaum von Menschen betreten wurde. Nicht nur wandern, sondern endlose Autofahrten zeigen einem, wie viel Land mit wenigen Menschen Südafrika zu bieten hat. Man begegnet keiner Menschenseele auf kilometerlangen Straßen. Man fühlt sich unfassbar klein und trotzdem ist es faszinierend zugleich.

Am beeindruckendsten war aber der Abend, an dem ein starkes Gewitter auftrat. Wir beobachteten bei einem Glas Champagner den prasselnden Regen und die zahlreichen Blitze. Ich sah Regen mit komplett anderen Augen. Jeder freute sich und man konnte überall eine freudige Stimmung fühlen. Die Farmer, beziehungsweise deren Land, litten die letzten zweieinhalb Jahre unter katastrophaler Trockenheit, welche zahlreiche Brände und das Sterben des Viehs verursachte. Selbst in der Stadt war das Gesprächsthema Nummer eins der Regen. Im Supermarkt sah man glückliche Farmer einkaufen und man freute sich automatisch mit ihnen.

Ein großes Highlight meines Urlaubs war der Besuch eines Privaten Game Reserves direkt neben Graaf-Reinet.

Laurens Vater besuchte dieses geschäftlich und nahm mich mit, da die Kunden zu einer Game Tour einluden. Wir hatten unfassbar viel Glück, denn wir bekamen um die zwölf Nashörner fast jeden Alters direkt neben uns zu Gesicht. Diese sind sehr selten und vom Aussterben bedroht, da ein großer illegaler Handel mit den Hörnern in ganz Afrika besteht.

Des Weiteren sahen wir eine Herde Büffel und zahlreiche Giraffen. Auch sprangen einige Affen, Kudus und diverse Böcke an uns vorbei.

Es war ein unvergesslicher Ausflug mit Einblick in die interessante und vielfältige Tierwelt.

Auch kulinarisch wurde ich verwöhnt, ich genoss sehr von der Familie bekocht zu werden, anstatt für mich selbst kochen zu müssen. In einer niedlichen Pizzeria im nahe gelegenen Nieu Bethesda probierte ich Kudu-Salami und wir besuchten die lokale Brauerei, die Karoo-Beer anbietet.

Ich habe aber nicht nur die großen Ausflüge genossen, sondern auch die kleinen, teilweise spontanen, Momente. Wir feierten den fünfzigsten Geburtstag von Laurens Mutter, bei dem ich einen großen Teil der entfernteren Familie kennenlernte. Des Weiteren gingen wir nachts baden, ich fuhr das erste mal seitdem ich in Südafrika bin Fahrrad und wir schliefen unter dem beeindruckendem Sternenhimmel. Wir besuchten einen Kaktusgarten, passten auf verschiedene Häuser auf, deren Besitzer im Urlaub waren und kümmerten uns um unzählige Katzen, Hunde und Vögel. Wir bastelten Pfeil und Bogen, pflückten Feigen, buken Kuchen und Rusks. Sahen wilde Pferde, tanzten im Regen und hörten eine inspirierende Predigt in einer charismatischen Kirche. Besuchten Museen, fuhren mit einem Boot auf dem Damm und besuchten Gallerien.

20161230_17265220170111_18082320170112_160123dsc_0009dsc_0025dsc_0028dsc_0034dsc_1612dsc_1629dsc_1643dscn5631img-20161225-wa0050img-20170108-wa0000Insgesamt hatte ich eine wundervolle Zeit mit wundervollen Menschen in einem wundervollen Land.

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