Zweiter Monat

Trotz nun schon zweimonatigem Aufenthalt hier in Grahamstown, fühlt sich unsere momentane Situation an, als wären wir erst Gestern angekommen. 

Wir sind auf der Suche nach einem neuen Projekt, einem Auto und einer Wohnung.

Aufgrund verschiedener Ursachen, letztlich auch durch finanzielle Probleme, wurde nun die Matric-School, in der wir einen Großteil unserer Arbeit verrichteten, geschlossen. Die Schüler sollen sich nun selbstständig auf ihre zweite „Abiturprüfung“ vorbereiten. Deshalb müssen wir uns ein neues Projekt suchen, in welchem wir neben dem Early Childhood Development Project tätig sein werden.
Des Weiteren hatten wir ein Auto in Aussicht, das unseren finanziellen und sicherheitstechnischen Vorstellungen entsprach. Als besonderen Vorteil sahen wir die Tatsache, dass es sich bei unserer Besichtigung in einer Autowerkstatt befand und somit frisch geprüft am nächsten Tag von dem Verkäufer zu unserem Haus gefahren werden sollte. Umso erstaunter waren wir, als wir von jenem angerufen wurden und er uns mitteilte, dass das Auto auf dem ersten Teil der Strecke liegen geblieben ist. Wir waren sehr erleichtert, da er uns das Auto ohne jegliche Garantie verkaufen wollte. Daraus haben wir definitiv gelernt, niemals etwas ohne Garantie zu kaufen. Leider müssen wir nun nach einem neuen Auto Ausschau halten.
Schließlich müssen wir uns wiedermal eine neue Wohnung suchen, da unser Mentor wieder zurück in sein Haus ziehen möchte, jedoch lässt er uns genug Zeit, um in Ruhe eine passende und finanzierbare Wohnung zu finden. Denn in Grahamstown herrscht starke Wohnungsknappheit, was zu hohen Mietpreisen führt.

Trotzdem hatten wir eine schöne Zeit bisher und haben schon unsere ersten Ferien hinter uns. Am Anfang der Ferien besuchten uns die anderen Freiwilligen Nele und Rebecca aus Alexandria und Clara aus Port Alfred. Zusammen führten wir lange Gespräche und konnten Einblicke in die jeweils anderen Einsatzstellen erhalten. Es war sehr interessant, unser jetziges Zuhause vorzustellen und dadurch mit anderen Augen wahrzunehmen. Nachdem alle wieder abgereist waren, besuchten wir Nele und Rebecca in Alexandria. Alexandria ist eine Kleinstadt etwa eine Stunde Autofahrt von Grahamstown entfernt. Sie ist bekannt für die zahlreichen Chicorée Felder rund um die sonst sehr ruhige Stadt. Dadurch eignet sie sich wunderbar für lange Spaziergänge, bei denen man das Flair genießen kann.
Dadurch, dass wir uns angewöhnt haben, unser eigenes Brot zu backen, bekamen wir die Möglichkeit, das erste Mal Nutella-Essen mit frisch gebackenem Brot zu verbinden.

Zu viert fuhren wir nach Kenton on Sea, welches zwischen Port Alfred und Alexandria direkt am Meer liegt. Dort bekamen wir die Xhosa Kultur in dem dortigen Township von einer ehemaligen Lehrerin vorgestellt.
Zuerst bekamen wir ein Altersheim zu sehen, in dem sich dreimal die Woche hauptsächlich alte Frauen treffen, um zusammen zu reden, zu spielen, zu basteln und eine Mahlzeit zu erhalten. Unter Gekicher führten sie uns ihr tägliches „Workout“ vor, bei dem sie auf die Melodie von „Bruder Jakob“ ein Fruchtsalatlied sangen und das jeweilige Obst darstellten. Des Weiteren zeigten sie uns ihren selbstgemachten Schmuck und aus Plastiktüten recycelte Körbe.
Danach gingen wir zu dem Haus der Großmutter der Lehrerin, die uns herumführte. Dort durften wir Körbe flechten und traditionelle Kleidung anprobieren. Es war sehr interessant, die farbenfrohe Kleidung und den faszinierenden Schmuck kennenzulernen.
Als Weiteres besuchten wir ein Häuser-Aufbau-Projekt, bei dem die Menschen von ihren Blechhütten in Häuser umgesiedelt werden. Dadurch wird ihnen die Möglichkeit gegeben, abgesehen davon, dass sie sicherer wohnen, Zugang zu Elektrizität und fließend Wasser zu erhalten. Leider wird durch die Häuser mehr Platz eingenommen, als durch die Hütten, was dazu führt, dass deutlich mehr Platz benötigt wird.
Des Weiteren stellt die Planung des Projektes ein Problem dar, da zuerst ein Spielplatz gebaut wurde, bevor die Häuser gebaut wurden. Dadurch konnte der Spielplatz von niemanden genutzt werden und die Menschen mussten weiterhin in ihren Hütten leben. Trotzdem befindet sich das Projekt auf einem guten Weg und wird von den Anwohnern gerne angenommen.
Zuletzt besuchten wir das Haus der Lehrerin, in einem anderen, nahe gelegenen Township. Dort lernten wir einen Teil ihrer Familie kennen.
Zuletzt fuhren wir zu dem Supermarkt in der Innenstadt und wurden darum gebeten beziehungsweise es wurde von uns erwartet, dass wir für die Besuchten Grundnahrungsmittel einkaufen.
Grundsätzlich war der Tag eine sehr wertvolle Erfahrung und hat uns interessante Einblicke in eine fremde Kultur gegeben.

Wir haben die Ferien aber auch dazu genutzt, entspannt ans Meer in Kenton zu fahren und den wunderschönen Strand und die immer wärmer werdende Sonne zu genießen. Man merkt immer mehr, dass sich der Frühling nähert und die Sonnencreme ausgepackt werden muss.
Am ganzen Körper von feinem Sand bedeckt und müde von dem Tag, kehrten wir nach Alexandria zurück. Nachdem wir uns gestärkt hatten, freuten wir uns allesamt auf eine angenehme Dusche. Seit dem ersten Tag, an dem wir in Südafrika angereist sind, erzählt uns unser Mentor von den häufigen Stromausfällen, doch nun nach zwei Monaten, traf er uns unerwartet. Jedoch ist auch eine Dusche im Taschenlampenlicht eine Erfahrung wert.

Ein weiteres Highlight unseres Aufenthalts in Alexandria stellte der Besuch einer Freikirche dar. Der Sonntagsgottesdienst besteht aus zwei Teilen. Im ersten Teil werden Worship-Lieder gesungen, im zweiten Teil eine Predigt gehalten. Die Lieder wurden von einer Band begleitet und gefielen uns gut. Die einstündige Predigt hingegen war ziemlich anstrengend, da sie weder unseren Ansichten, noch unserem Geschmack im Generellen entsprochen hat. Trotzdem war es interessant, eine andere Art von Gottesdienst kennenzulernen und zu beobachten, wie sehr Jung und Alt sich am Glauben erfreuen können und solch große Hoffnung und Zuversicht haben.

Zuletzt darf man nicht vergessen, dass wir begonnen haben, uns gegenseitig Braids zu flechten. Zwar stellt dies einen enormen Zeitaufwand dar, das Ergebnis sind dafür kleine geflochtene Zöpfe, die wie Kordeln vom Kopf fallen.

Im Ganzen haben wir die Ferien sehr genossen und schauen nun auf die weiteren Aufgaben und Herausforderungen, die sich mit dem Leben in Grahamstown bieten

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