Mentalität

Mit der Einreise in ein fremdes Land, wurden wir auch mit einer fremden Mentalität konfrontiert.

Gewisse Themen haben andere Prioritäten, als wir es gewohnt waren, was uns teilweise verwundert hat.
Auf unserer Autofahrt vom Flughafen Richtung Grahamstown fragte uns Aldy, unser Mentor, ob wir „people of faith“, also Menschen der Hoffnung, seien. Generell gibt es viele Christen hier und auch die methodistische Kirche ist stark vertreten. Der Glaube ist ein allgegenwärtiges Thema und das Leben ist von „Gottes Plan“ bestimmt. Somit bedeutet leben seiner Bestimmung zu folgen.

Um die Schüler der Finishing School zum Lernen zu motivieren, verwies Aldy auf den Sprinter Van Niekerk, der bei den Olympischen Spielen beim 400 Meter Lauf einen neuen Weltrekord aufstellte und somit die Goldmedaille gewann. Dieser sei seinem Talent und seiner Bestimmung gefolgt und habe seinem Leben einen Sinn gegeben. Unser Mentor war davon zu Tränen gerührt. Dies bekamen wir auch nachmittags noch zu spüren, da Aldy den Lauf noch weitere sechsmal ansah.
Auch das Fernsehprogramm besteht zum größten Teil aus dem Programm der Olympischen Spiele. Das Land als Teil einer Sportgemeinschaft zu sehen und für das eigene Land mitzufiebern ist allgegenwärtig.

In der Finishing School haben wir uns außerdem mit einer Schülerin unterhalten, die etwas älter ist, als wir und gerade ihren Abschluss anstrebt. Wir haben uns über die Unterschiede der jeweiligen Schulsysteme unterhalten und konnten feststellen, dass Bildung in Südafrika abhängiger von den finanziellen Möglichkeiten der Familie ist. Auch, wenn man einen Schulabschluss absolviert hat, kann nicht jeder die Universität besuchen.
Obwohl den Schülern der Finishing School in unserem Projekt die Finanzierung fast abgenommen wird und diese somit die Möglichkeit haben, ihren Schulabschluss zu erhalten, sind die Schüler oft unmotiviert. Sie müssen drei Fächer in ihrer jeweiligen Sprache (Afrikaans, isiXhosa, Englisch) als Abschlussprüfung wählen, die ihren Interessen entsprechen. Einige schreiben ihre Prüfung im September, andere erst im Mai nächsten Jahres. Um sie dafür zu motivieren und sie auch etwas unter Druck zu setzen, hielt Aldy die oben genannte Ansprache über Van Niekerk.

Ein anderes Bild des Lernens bot sich uns in dem Kindergarten direkt neben unserer Wohnung. Die Kinder, dreizehn im Alter von drei bis fünf, spielen in einem kleinen Raum. Als Spielzeug dient ihnen verschieden zusammengewürfeltes Spielzeug, welches keinen Zusammenhang hat. In einer Kiste befinden sich viele Puzzleteile von verschiedenen Puzzles, einige Teile fehlen. In der Spielzeugkiste sind außerdem ein altes Handy und Telefon enthalten. Des weiteren enthält sie Kuscheltiere und Plastikteile, die teilweise nicht mehr zu identifizieren sind.
Wir halfen den Kindern, Sticker in ein Heft zu kleben, zu zählen und zu schreiben. Die Kinder sind sehr süß und haben viel Spaß, trotzdem mussten wir uns erst an ihre kurze Aufmerksamkeitsspanne gewöhnen. Am Ende lauschten sie aber gespannt der Geschichte, wie eine Kaulquappe sich in einen Frosch verwandelt und die Aufmerksamkeit ließ auch bei der Jesusgeschichte nicht nach.

Erstaunt waren wir über die Esskultur in unserer Umgebung. Vor allem die Kinder, aber auch die Erwachsenen essen sehr viel. Auch Fast Food ist hier sehr beliebt, was besonders im Supermarkt, aber auch in der Mittagspause des Kindergartens auffällt.
Der Supermarkt war besonders gut gefüllt, als der 15., also die Mitte des Monats, erreicht war. Dann ist immer „Payday“ und die Menschen gehen in die Stadt, um sich ihr Geld abzuholen und einkaufen zu gehen. Unser Mentor Aldy erzählt uns, dass viele ein Problem mit Alkohol haben und deshalb am 15. sehr viel Alkohol gekauft wird.

Alkohol gehört aber nicht zu den Hauptproblemen. Sicherheit ist ein sehr großes Thema. Unsere Wohnung ist mit einer besonderen Alarmanlage ausgestattet, welche an vielen Häusern der Nachbarschaft angebracht ist. Auch im Gottesdienst gelten die Gebete den Opfern von Raub und sexueller Gewalt, aber auch den Tätern. Erstaunt hat uns, dass das Thema Vergewalltigung vor allem in der Universität eine große Rolle spielt, nicht nur in den Townships, in denen man es eigentlich erwartet.

Insgesamt hat uns die Mentalität der Menschen hier überrascht und auch die Vielfalt, von der man oft über Südafrika liest, haben wir schon am Anfang erfahren. Allein die Sprachvielfalt ist erstaunlich, da die meistens nicht nur eine Muttersprache sprechen. Viele in der Gegend von Grahamstown sind entweder mit Englisch und Afrikaans oder Englisch und isiXhosa aufgewachsen. Andere sprechen alle drei Sprachen.
Arm und Reich leben hier direkt nebeneinander. Man muss nicht weit aus der Stadt heraus fahren, um das erste Township zu finden. Die Menschen leben hier miteinander und die Reicheren lassen sich von den Ärmeren für etwas Geld beim Einkaufen, Putzen oder anderen Tätigkeiten helfen.

So konnten wir schon jetzt Einblicke in die Vielfalt, aber auch die Problematiken der Menschen hier erhalten.

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